1.1 Klimawandel – ein aktuelles Kernthema der Nachhaltigkeit
1.2 Definition und Ziele von Nachhaltigkeit
1.3 Meilensteine der Nachhaltigen Entwicklung
1.4 Nachhaltigkeitsstrategie der europäischen Union
1.5 Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie

1.1 Nachhaltige Entwicklung ist ohne Alternative
Dr. Barbara Zeschmar-Lahl
Klimawandel – ein aktuelles Kernthema der Nachhaltigkeit
Die Bekämpfung des Klimawandels ist derzeit weltweit eines der wichtigsten Ziele im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit.
Die Ursachen des Klimawandels und seine Folgen
Menschliche Aktivitäten haben in den vergangenen Jahrzehnten zu einer deutlichen Erhöhung der Gehalte an Treibhausgasen und Aerosolen in der Erdatmosphäre geführt. Die atmosphärischen Konzentrationen der Schlüsselsubstanzen unter den Treibhausgasen (CO2, Methan, Lachgas, Ozon) haben in den 90er Jahren Höchstwerte erreicht, hauptsächlich infolge der Verbrennung fossiler Energieträger, der landwirtschaftlichen Nutzung und von Veränderungen in der Flächennutzung wie insbesondere die Abholzung der Tropenwälder. Wenn keine Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgas-Freisetzung ergriffen werden, wird die mittlere Temperatur bis zum Jahr 2100 weltweit um 1,4 bis 5,8°C ansteigen [Quelle: 2]. Dann werden u.a. das Packeis an den Polen und die Gletscher auf den Gebirgen schmelzen und der Wasserspiegel der Weltmeere ansteigen. Bedroht sind insbesondere die kleinen Inselstaaten – rund 40 Staaten und Territorien in Afrika, der Karibik und Ozeanien – mit einer Gesamtbevölkerung von ca. 43 Millionen Menschen! Auch Österreich wird u.a. mit häufigeren und heftigeren Schneestürmen, Hochwasser und Überschwemmungen konfrontiert werden.
Klimaschutz-Konvention 1992
Die UN-Klimaschutz-Konvention ist seit ihrem Inkrafttreten am 21.3.1994 die völkerrechtliche Vertragsgrundlage für den internationalen Klimaschutz. In Artikel 2 wird als Ziel formuliert, „die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, das eine gefährliche menschengemachte Störung des Klimasystems verhindert". Nach Einschätzung von Experten muss der Ausstoß an CO2 bis 2050 weltweit um mindestens 60% reduziert werden, um den Klimawandel in vertretbaren Grenzen zu halten.
Meilenstein Kyoto-Protokoll 1997
Im am 11.12.1997 in Kyoto unterzeichneten Protokoll der 3. Vertragsstaaten-Konferenz der Klimaschutz-Konvention haben die Vertragsstaaten vereinbart, ihre Emissionen an Treibhausgasen bis zum Jahre 2012 um durchschnittlich 5% unter das Niveau von 1990 zu senken. Für die EU ist in Summe ein Reduktionsziel von 8%, für Österreich dabei eine Senkung um 13% vorgesehen. Das Protokoll sollte in Kraft treten, sobald mindestens 55 Staaten, die zusammengerechnet mehr als 55% der CO2-Emissionen des Jahres 1990 verursachten, das Abkommen ratifiziert haben. Nach Ratifizierung durch die russische Duma am 5.11.2004 konnte das Kyoto-Protokoll nach über sieben Jahren am 16.2.2005 endlich in Kraft treten.
Österreichs Klimastrategie 2002
Um das für Österreich vereinbarte Ziel einer Senkung der Emissionen um 13% gegenüber 1990 durch entsprechende Maßnahmen bis 2008–2012 erreichen zu können, haben Bund und Länder 2002 eine gemeinsame Klimastrategie beschlossen. Diese umfasst [Quelle: 3]
- Maßnahmenprogramme betreffend
-Raumwärme
-effiziente Stromnutzung (Kleinverbrauch)
-Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung
-Abfallwirtschaft
-Verkehr
-Industrie
-Landwirtschaft
-„Fluorierte Gase“
- eine aufkommensneutrale ökologische Steuerreform
- die flexiblen Mechanismen
-„Joint Implementation“ (vor allem in den damaligen Beitrittskandidatenländern) und
-„Clean Development Mechanism“ (in Entwicklungsländern).
Begriffe aus dem Kyoto-Protokoll:
Joint Implementation (JI)
bezeichnet die gemeinsame Durchführung von emissionsreduzierenden Projekten durch zwei Annex I-Länder. Annex I-Länder sind Australien, Bulgarien, Canada, Island, Japan, Liechtenstein, Monaco, Neuseeland, Norwegen, Rumänien, Russische Föderation, Schweiz, USA sowie 21 EU-Mitgliedsstaaten.
Clean Development Mechanism (CDM)
bezeichnet die Durchführung von emissionsreduzierenden Projekten in einem Land, das nicht im Annex I des Kyoto-Protokolls steht.
Österreich 2006: Kyoto-Ziel bislang nicht erreicht
Im Jahr 2006 kommt das Umweltbundesamt (UBA) hinsichtlich der Frage „Hat sich Österreich dem Kyoto-Ziel genähert?" zu folgenden Ergebnissen [Quelle: 4], vgl. auch Abbildung 1:
Die Analyse
„Im Jahr 2004 waren die Treibhausgasemissionen in Österreich um 1,3 Prozent niedriger als im vorangegangenen Jahr 2003 und um 15,7 Prozent höher als im Basisjahr 1990. Hauptverantwortlich für den Rückgang gegenüber dem Vorjahr waren die Strom- und Wärmeproduktion in kalorischen Kraftwerken und der Heizbedarf im Raumwärmesektor. Die längerfristige Analyse im Zeitraum 1990–2004 zeigt gegenüber dem letzten Jahr ein unverändertes Bild. Der Verkehr verzeichnet nach wie vor den mit Abstand stärksten (absoluten) Zuwachs, gefolgt von der öffentlichen Strom- und Wärmeproduktion und der Industrie, insbesondere der Eisen- und Stahlerzeugung. Reduktionen wurden hingegen bei den Mülldeponien, in der Landwirtschaft und bei den fluorierten Gasen erzielt. ...“
Abbildung 1: Index-Verlauf der österreichischen Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Kyoto-Ziel [Quelle: 4]

Unterlassener Klimaschutz wird teuer werden
Österreich muss also mehr tun in Sachen Klimaschutz. Ende Oktober 2006 wurde der Öffentlichkeit eine aktuelle Studie vorgestellt, die der britische Schatzkanzler Gordon Brown bei Sir Nicholas Stern, einem der renommiertesten britischen Ökonomen und ehemaligen Chef-Volkswirt der Weltbank (2000–2003), in Auftrag gegeben hatte. Eine zentrale Aussage lautet: Wenn die Regierungen den Ausstoß des Klimagases CO2 nicht stoppten, drohe die Weltwirtschaft wegen des „größten Marktversagens, das die Erde je gesehen hat", in eine Rezession wie zuletzt Ende der 20er Jahre abzugleiten [Quelle: 5]. Nach Stern könnten 1% des jährlichen Bruttosozialproduktes reichen, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf einem verträglichen Level (500 bis 550 ppm) zu stabilisieren und damit katastrophale Entwicklungen des globalen Klimawandels abzuwenden; die durch Nichtstun entstehenden Klimaschäden kämen 5 bis 20 mal teurer. Es ist noch nicht zu spät [Quelle: 5]: „It is still possible to avoid the worst impacts of climate change; but it requires strong and urgent collective action. Delay would be costly and dangerous.“ |